Hochwasser in Dresden

Das Thema Hochwasser – in Dresden nicht neu

Wer sich einmal die Mühe macht und einen Blick in die bei Hochwassersituationen in der sächsischen Landeshauptstadt Dresden gemessenen Pegelstände zu werfen, der sieht sehr schnell, dass mit den Hochwassern des letzten Jahrzehnts auf jeden Fall keine Rekorde erzielt wurden. Der bis zum August 2002 dokumentierte Rekord beim Pegel Dresden lag bei 8,77 Metern und stammte aus dem Jahr 1845. Gerade einmal zwanzig Zentimeter weniger wurden bei den großen Hochwassern in Dresden in den Jahren 1501 und 1784 erreicht. Platz vier auf der Rangliste der höchsten Pegelstände in Dresden nimmt der 6. September 1890 ein. An diesem Tag wurde ein Elbepegel von 8,37 Metern gemessen. Doch all diese Rekorde sollten am 17. August 2002 noch übertroffen werden. Das Sächsische Landesamt für Umwelt und Geologie misst in dieser Nacht einen Pegelstand von 9,40 Metern.

Ein Blick auf die Verteilung der an der Elbe in Dresden verzeichneten Hochwasser beweist, dass es statistisch gesehen seit Beginn der Aufzeichnungen im 13. Jahrhundert nur drei Monate im Jahr gibt, in denen bisher noch kein Hochwasser zu verzeichnen war. Es sind die Monate Oktober, November und Dezember. Mit einem geringen Aufkommen an Hochwassern in der Dresdener Pegelstatistik tauchen die Monate Juli und September mit je einem Mal auf. Im Zeitraum 13. bis 19. Jahrhundert gab es in Dresden sechs Mal Hochwasser mit einem Pegelstand über 7,00 Meter im Januar. Im Februar wurde im gleichen Zeitraum fünf Mal ein Pegelstand über 7,00 Meter gemessen. Das höchste Risiko für ein Hochwasser der Elbe in Dresden besteht im März. Hier wurde in den sechs untersuchten Jahrhunderten 12 Mal ein Pegel über 7,00 Metern gemessen.

Diese jahreszeitliche Verteilung der Häufigkeit der Hochwasser lässt nur einen einzigen Schluss zu: Die Hauptursache für Hochwasser der Elbe in Dresden ist die einsetzende Schneeschmelze. Dazu muss man wissen, dass die Elbe im tschechischen Riesengebirge entspringt. Ihre Quelle liegt in unmittelbarer Nähe des beliebten Wintersportortes Spindlermühle. Zuerst fließt sie in Richtung Süden und wechselt in der Nähe von Pardubice die Richtung. Von hier aus fließt sie fast durchgängig in nordwestlicher Richtung. In der Nähe von Melnik mündet die Moldau in die Elbe, die bis dahin bereits auf einer Länge von 440 Kilometern das Wasser kleinerer Flüsse aufgenommen hat.

Bis zur Grenze zwischen Tschechien und Deutschland durchquert die Elbe fast ausschließlich gebirgige Regionen. Das Riesengebirge beispielsweise gilt als sehr schneesicher. Hier kommen in manchen Wintern Schneehöhen von mehreren Metern zusammen. Setz dann im Frühjahr die Schneeschmelze sehr schnell ein, ist ein Hochwasser der Elbe auch in Dresden vorprogrammiert. Das gilt vor allem dann, wenn die Schneeschmelze noch durch ausgiebige Niederschläge in flüssiger Form beschleunigt wird.

Auf tschechischem Gebiet muss die Elbe mehrere Staustufen passieren. Insgesamt gibt es 24 davon und eine weitere befindet sich noch im Bau. Dadurch soll die Höhe der Elbepegel reguliert werden. Mit diesen Staustufen konnte schon so manches Hochwasser in Dresden gemildert werden. An der Moldau gibt es ebenfalls solche Anlagen zur Regulierung der Durchflussmengen, mit denen auch Einfluss auf die Pegelstände der Elbe genommen werden kann. Andererseits dienen sie dazu, im späten Frühjahr nach dem Ende der eigentlichen Risikophase für Hochwasser Wasser sammeln zu können. Das wiederum ist wichtig, um in den Sommermonaten die notwendigen Pegelstände für die Aufrechterhaltung der Güter- und Personenschifffahrt sicher stellen zu können. In manchen heißen und trockenen Sommer wurde die Elbe bei Dresden zu einem schmalen Rinnsal, in dem gerade einmal eine Wassertiefe von achtzig Zentimetern gemessen werden konnte.

Einen wichtigen Einfluss auf die Ausbildung der Pegelstände bei einem Hochwasser in Dresden hat das Gefälle, das die Elbe in ihrem geologischen Oberlauf aufweist. Schon kurz hinter Dresden etwa bei Riesa geht die Elbe in ihren mittleren Lauf über, der ein deutlich geringeres Gefälle als der Oberlauf aufweist. Das ist einer der Gründe, warum Dresden und in der Folge auch die Region des Elbebogens bei der Festung Königstein besonders für Hochwasser gefährdet sind. In der Mittelelbe nimmt die Fließgeschwindigkeit ab, was zu einem Rückstau der Wassermassen führt. Das gibt andererseits den am Unterlauf der Elbe liegenden Städten die Chance, sich einige Zeit auf den Scheitelpunkt der Hochwasserwelle vorbereiten zu können.

Neben der Schneeschmelze im Frühjahr bringen auch Stauwetterlagen die Gefahr für ein Hochwasser in Dresden mit. Solche Stauwetterlagen entstehen vor allem dann, wenn Luftmassen aus Nordwesten kommen. Sie haben über dem Atlantik kräftig Feuchtigkeit aufnehmen können. Bevor sie die Gipfel des Riesengebirges passieren können, müssen sie aufsteigen und das ist nur möglich, wenn sie Energie verlieren, das heißt, sich abregnen können. Bei einem ordentlichen Gewitterguss schwellen die Pegel der vielen Zuflüsse der Elbe vor Dresden erheblich an. Ein Beispiel dafür ist die Weißeritz, die im Elbtalkessel einmündet. Sie hat in dieser Hinsicht schon erheblichen Schaden anrichten können. Immerhin ergießen sich am Lauf der Elbe die kleinen Flüsse aus fünf Gebirgen in den Fluss, bevor er Dresden passiert. Sowohl die Gipfel des Riesengebirges als auch des Fichtelgebirges, des Böhmerwaldes, des Erzgebirges und des Bayerischen Waldes ragen bis auf über 1.000 Meter in den Himmel.

Ein weiterer Fakt für das erhebliche Risiko bei Hochwasser für Dresden ist die Lage der Stadt. Sie zieht sich sehr lang am Flusslauf entlang und liegt unmittelbar im Elbtalkessel. Dieser ist etwa 45 Kilometer lang und zehn Kilometer breit. Wären bei den ersten Ansiedelungen die heutigen Statistiken der Hochwasser in Dresden schon bekannt gewesen, hätte dort gar nicht gebaut werden dürfen. Es handelt sich um eines der natürlichen Überflutungsgebiete der Elbe. Doch vor allem die klimatischen Bedingungen, die sich besonders gut für den Obstbau und den Weinbau eignen, ließen die Menschen hier siedeln.

Um einen Schutz für die Menschen vor dem Hochwasser in Dresden zu schaffen, wurden streckenweise Deiche gebaut. Eine erste solche vom Menschen geschaffene Begrenzung des Flusslaufs auf deutschem Boden ist im Dresdener Stadtteil Gohlis zu finden. Bis dahin nehmen die rund um den Flusslauf liegenden Hänge eine natürliche Begrenzung des Flusses vor. Auch der Damm der von Decin nach Dresden kommenden Elbtalbahn stellt eine Eingrenzung des Flusslaufs dar. Diese Bahnstrecke hat ihren Namen deshalb bekommen, weil sie nahezu über die gesamte Strecke unmittelbar um Flussufer entlang führt. Ihr erster Abschnitt ist bereits seit 1848 in Betrieb.

Trotz aller Maßnahmen zur Flussregulierung können Hochwasser in Dresden nicht komplett verhindert werden. So erreichte der Dresdner Pegel am 4. April 2006 zwischen 9 und 10 Uhr morgens einen Stand von 7,49 Metern. Das bedeutete, dass in zahlreichen Stadtteilen die Feuerwehr ausrücken musste, um Keller auszupumpen. Betroffen waren die Stadtteile Pieschen, Neustadt, die Altstadt, Blasewitz und Leuben.

Den seit Beginn der Aufzeichnungen zum Hochwasser in Dresden verzeichneten Höchststand hatte die Elbe am Vormittag des 17. August 2002. Hier wurde ein Pegel von 9,40 erreicht. Dieser lag 63 Zentimeter über dem bisherigen Rekord aus dem Jahr 1845. Neben den bereits für das Hochwasser 2006 genannten Stadtteilen waren nun auch Cotta, Plauen, Prohlis und Teile von Dresden Klotsche betroffen. Das Hochwasser des Jahres 2002 kündigte sich bereits mehrere Tage vorher an. Bereits am 11. August 2002 traten die meisten der kleinen Flüsse II. Ordnung über die Ufer. Einen Tag später folgten die Lockwitz und die Weißeritz. Die Weißeritz zog dabei auch die Dresdener Altstadt und Friedrichstadt in Mitleidenschaft. Ein Problem bei der Nachschau dieses Hochwassers bestand für die Wissenschaftler darin, dass in der akuten Phase niemand wirklich auf die tatsächliche Ausdehnung geachtet hatte, weil das vorrangige Ziel in der Sicherheit der Bürger und der zahlreichen wertvollen Kulturgüter der Stadt bestanden hatte. Außerdem wurde den Statistikern die rasante Entwicklung der Hochwassersituation zum Verhängnis, so dass eine detaillierte Erfassung der Ausbreitung der Überschwemmungsgebiete gar nicht möglich gewesen war.

Eine der Folgen war, dass der Stadtrat von Dresden im Mai 2004 die Hochwasserprävention noch einmal in den Mittelpunkt rückte. Dabei wurde von einer detaillierten Erfassung der spezifischen Risiken ausgegangen. Die daraus entwickelten spezifischen Pläne zum Hochwasserschutz können von der Homepage der Stadt Dresden als PDF in allen Einzelheiten abgerufen werden.

3 Responses

  1. Michael
    Michael Oktober 4, 2010 at 9:03 am | | Reply

    Eine interessante Chronik. Danke dafür, die hat mir bei meiner Hausaufgabe viel Arbeit erspart.

  2. Anja
    Anja Oktober 28, 2010 at 8:50 am | | Reply

    Danke. Nach so einem Text habe ich schon eine Weile gesucht.

  3. magdeburger
    magdeburger Juli 2, 2013 at 10:33 am | | Reply

    uns in magdeburg hatt es diesesmal zum glück nicht so schwer getroffen, obwohl die pegelstände höher waren. ich bin in dresden geboren, deswegen das interesse. alles gute und beste grüße

Leave a Reply