Bis 2002 hielten viele die großen Elbhochwasser für Geschichte. Die Stadt Dresden schreibt, die Hochwasser von 1845 und 1890 seien „längst in Vergessenheit geraten“. Dabei zeigt der Blick in die Chronik: Hohe Wasserstände gab es in Dresden immer wieder, und im 18. und 19. Jahrhundert sogar häufiger als im 20. Dieser Beitrag stellt die größten vor.
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Vorhersage-Höchststand heute, 30.10., 14:00 Uhr: 61 cm
Stand 30.10.2026, 12:30 Uhr · Zum Live-Pegel
Die zehn größten Elbhochwasser
Die Stadt Dresden führt in ihrem Bericht zum Hochwasser 2013 die zehn größten Elbhochwasser am Pegel Dresden seit Beginn des 18. Jahrhunderts auf. Diese Website zeigt sie mit der Zahl der Orte, die nach den heutigen Modellschwellen in der potenziell überschwemmten Fläche lägen:
| Platz | Datum | Pegel Dresden | Orte betroffen nach heutigen Schwellen |
|---|---|---|---|
| 1. | 17.08.2002 | 940 cm | 13 von 14 |
| 2. | 06.06.2013 | 878 cm | 13 von 14 |
| 3. | 31.03.1845 | 877 cm | 13 von 14 |
| 4. | März 1784 | 857 cm | 13 von 14 |
| 5. | September 1890 | 837 cm | 11 von 14 |
| 6. | Februar 1862 | 824 cm | 11 von 14 |
| 7. | 24.02.1799 | 824 cm | 11 von 14 |
| 8. | März 1830 | 796 cm | 11 von 14 |
| 9. | März 1940 | 788 cm | 11 von 14 |
| 10. | Februar 1876 | 776 cm | 11 von 14 |
Quelle: Landeshauptstadt Dresden: Umweltbericht 2013 – Bericht zum Junihochwasser (Ereignisanalyse), Tabelle 6.2.1; Landeshauptstadt Dresden: Umweltatlas, Karte 4.13.1 – Hochwasser 2002 (W = 9,40 m); Landeshauptstadt Dresden: Umweltausstellung – Hochwassergefahren 1845 bis 2002; Landeshauptstadt Dresden: Umweltatlas, Karte 4.18 – Elbe-Alarmstufen 1 bis 4. Zum Hochwasser-Archiv
Drei Dinge fallen auf:
- Zwei der drei höchsten Werte stammen aus diesem Jahrhundert: 2002 und 2013.
- Die Jahreszeit: Laut Stadt treten Elbhochwasser „eher im Übergang Winter – Frühjahr als im Sommer auf“. Sieben der zehn Ereignisse fielen in Februar oder März.
- Die Häufung früher: Im 18. und 19. Jahrhundert gab es laut Stadt „wesentlich mehr mittlere und seltene Hochwasserereignisse als zuletzt im 20. Jahrhundert“. Eine Zunahme in diesem Jahrhundert würde der historischen Erfahrung also nicht widersprechen. Von den 19 Hochwassern mit mehr als 750 cm am Pegel Dresden wurden drei in den elf Jahren vor dem Bericht von 2014 beobachtet.
Wichtig beim Vergleich: Topografie und Bebauung haben sich seit 1845 grundlegend geändert. Dasselbe Hochwasser würde sich laut Umweltatlas heute „an vielen Stellen“ ganz anders ausbreiten.
März 1845: die „Sächsische Sintflut“
Die Umweltausstellung der Stadt beschreibt den Ablauf so: Im Februar 1845 gab es ergiebige Schneefälle und starken Frost, die Elbe war lange zugefroren. Starker Regen mit plötzlichem Tauwetter brach den Eispanzer im Oberen Elbtal ab dem 27. März auf. Am 28. März ab 7 Uhr früh setzte sich auch in Dresden das Eis in Bewegung. Eis, Holz, Boote, Schuppen und Hausrat drückten gegen die Augustusbrücke.
Allein am 29. März stieg der Wasserstand um zwei Meter. Am Morgen des 30. März wurde der bis dahin höchste Wert vom 24. Februar 1799 mit 824 cm überschritten. Als sich Risse zeigten, wurde die Augustusbrücke geräumt. Am 31. März früh stürzte der Pfeiler mit dem vergoldeten Kruzifix in die Elbe, zwei Bögen gingen zu Bruch – die einzige Verbindung zwischen beiden Stadtteilen war unterbrochen. Als Ersatz diente eine Schiffsbrücke auf böhmischen Zillen.
Für den 31. März 1845 wird der höchste Pegelstand mit 877 cm angegeben. Das Hochwasser gilt laut Stadt als das stärkste je an der Elbe registrierte Winterhochwasser.
September 1890: das große Sommerhochwasser
Nach lang anhaltenden Niederschlägen im Südosten Mitteleuropas stieg die Elbe ab dem 3. September 1890 laut Umweltausstellung stündlich um fast zehn Zentimeter. Am 6. September stand an einigen Straßen das Wasser so hoch, dass Bewohner mit Kähnen aus dem ersten Obergeschoss gerettet werden mussten. Gegen 22 Uhr wurde der Scheitel erreicht: 837 cm, der höchste Stand seit 1845 und das größte Sommerhochwasser des 19. Jahrhunderts. Berichtet wird unter anderem von Schäden an den Gewächshäusern des Palaisgartens. Städtische Beamte ließen Maßstriche über die Höhe des Wassers anbringen.
Die Augustusbrücke war auch 1890 ein Problem. Ihre zu geringe Durchlassfähigkeit für die Schifffahrt und ihre hinderliche Wirkung bei Hochwasser führten laut Stadt dazu, dass sie bis 1910 mit weniger und größeren Bögen grundhaft erneuert wurde.
Woher wir wissen, wie weit das Wasser 1845 und 1890 kam
Die Überschwemmungsflächen beider Ereignisse hat das Leibniz-Institut für ökologische Raumentwicklung aus historischen Karten rekonstruiert, laut Umweltatlas (Karte 4.19) aus einer Karte des Elbstroms von 1850 bis 1855 und einer Karte, die vermutlich nach 1892 entstand. Die Stadt zeigt sie im Themenstadtplan. Nach diesen Karten lagen bei beiden Hochwassern Teile fast aller Orte dieser Website in der überschwemmten Fläche – auch die Leipziger Straße in Pieschen und Altübigau.



Wer die Höhen von damals sehen will: Die Stadt nennt Hochwassermarken an der Augustusbrücke, am Körnerweg und im Fliederhof von Schloss Pillnitz sowie die Hochwassersäule in Altkaditz.
Weitere Hochwasser: 1829 und 1954
Der Bericht der Stadt zum Hochwasser 2013 erinnert an zwei Sommerereignisse. Am 28./29. Juni 1829 gab es nach „tagelangen häufigen Regengüssen in Böhmen und Sachsen“ ein Junihochwasser mit 753 cm. Am 12. Juli 1954 erreichte der Scheitel in Dresden 674 cm. Damals konnte die noch nicht fertige, leere Talsperre Slapy in Tschechien Scheitel und Fülle wesentlich dämpfen. Laut Umweltatlas entsprach 1954 in etwa einem HQ5 – und war damit das größte Elbehochwasser in der gesamten zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts.
Die Hochwasser seit 2000
Für die Zeit seit 2000 gibt es die Messwerte von PEGELONLINE. Nach den ungeprüften Rohdaten erreichte die Elbe in Dresden den Richtwert der Alarmstufe 2 (500 cm) bei 16 Hochwasserwellen. Die höchsten Scheitel:
- 17.08.2002: 940 cm – der Rekord, siehe Hochwasser 2002
- 06.06.2013: 878 cm (korrigierter Wert), siehe Hochwasser 2013
- 04.04.2006: 749 cm – das Frühjahrshochwasser, laut Umweltatlas etwa ein HQ10
- 17.01.2011: 680 cm
- 06.01.2003: 669 cm
- 18.09.2024: 610 cm
- 28.12.2023: 597 cm
September 2024
Das jüngste größere Hochwasser kam im September 2024. Ein Vb-artiges Tief brachte laut Landeshochwasserzentrum in Tschechien und Südpolen im Bergland teils deutlich über 100 Liter Regen pro Quadratmeter. Der Pegel Dresden überschritt am Abend des 15. September den Richtwert der Alarmstufe 2 und am Morgen des 18. September den der Alarmstufe 3. Das LHWZ sprach von einem „sehr langgestreckten Hochwasserscheitel“. Nach den Rohdaten von PEGELONLINE erreichte die Elbe am späten Abend des 18. September 610 cm und blieb bis zum Vormittag des 19. September auf diesem Niveau; das LHWZ meldete am 19. September 609 cm. Unter 600 cm fiel sie laut Rohdaten am Abend des 19. September. Den Richtwert der Alarmstufe 4 erreichte die Elbe nicht.
Nach der Karte der Stadt Dresden zu den tatsächlich überschwemmten Flächen lagen im September 2024 unter anderem Teile der Elbwiesen, der Flutrinne Kaditz, des Terrassenufers und des Messegeländes im Wasser.

Innere Neustadt
Neustädter Elbwiesen am Königsufer
339 cm unter der Schwelle


Alle Wellen der letzten Jahre findest du im Hochwasser-Archiv.
- Letzter Tageshöchststand
- 29.10.202672 cm (103,42 m NHN)
- Zuletzt über Alarmstufe 1 (Richtwert)
- 22.09.2024Alarmstufe 1 (Richtwert), 450 cm (107,20 m NHN)
- Zuletzt Orte betroffen
- 22.09.20242 von 14 Orten (Flutrinne Kaditz, Neustädter Elbwiesen am Königsufer), 450 cm (107,20 m NHN)
- Höchster Wasserstand seit 01.01.2000
- 940 cm (112,10 m NHN)Sa., 17.08.2002, 06:45 Uhr
- Niedrigster Wasserstand seit 01.01.2000
- 42 cm (103,12 m NHN)Do., 23.08.2018, 19:00 Uhr
Aus unserer Chronik seit 01.01.2000. Zum Hochwasser-Archiv
Häufige Fragen
Was war das höchste Hochwasser in Dresden?
Am 17. August 2002 mit 940 cm am Pegel Dresden. Danach folgen laut Stadt Juni 2013 (878 cm), März 1845 (877 cm), März 1784 (857 cm) und September 1890 (837 cm).
Wie hoch war das Hochwasser 1845 in Dresden?
Für den 31. März 1845 wird ein Pegelstand von 877 cm angegeben. Eisgang und Treibgut zerstörten einen Pfeiler und zwei Bögen der Augustusbrücke.
Wie hoch war die Elbe im September 2024 in Dresden?
Nach den Rohdaten von PEGELONLINE 610 cm in der Nacht vom 18. auf den 19. September 2024; das Landeshochwasserzentrum meldete am 19. September 609 cm. Der Richtwert der Alarmstufe 3 (600 cm) wurde überschritten, der der Alarmstufe 4 (700 cm) nicht.
Wann gibt es in Dresden meistens Hochwasser?
Laut Stadt Dresden eher im Übergang von Winter zu Frühjahr als im Sommer. Sieben der zehn höchsten Elbhochwasser am Pegel Dresden fielen in Februar oder März.
Quellen
- Landeshauptstadt Dresden – Umweltbericht 2013: Bericht zum Junihochwasser in Dresden (Stand 04.03.2014)
- Landeshauptstadt Dresden – Umweltausstellung: Historische Hochwasser der Elbe in Dresden, Überschwemmungsgebiete 1845 – 1890 – 2002 (Juli 2012)
- Landeshauptstadt Dresden – Umweltatlas, Karte 4.19: Historische Elbehochwasser 1845 und 1890 (Oktober 2012)
- Landeshauptstadt Dresden – Umweltatlas, Karte 4.38: Elbe – potentiell überschwemmte Flächen (Mai 2019)
- PEGELONLINE – Pegel Dresden (Stammdaten, Kennwerte, Messwerte und Vorhersage)
- LfULG/Landeshochwasserzentrum – Hochwasserscheitel an der Elbe in Dresden am Mittwoch in Alarmstufe 3 erwartet (16.09.2024)
- LfULG/Landeshochwasserzentrum – Elbe in Dresden in Alarmstufe 3 (18.09.2024)
- LfULG/Landeshochwasserzentrum – Hochwasserscheitel der Elbe in Dresden angekommen (19.09.2024)
Die Darstellung dient der Information. Bei Hochwasser- und Gefahrenlagen gelten die Warnungen und Anweisungen der zuständigen Behörden.
