Am 17. August 2002 um 9 Uhr erreichte die Elbe am Pegel Dresden 9,40 m – den höchsten Stand seit Beginn der Aufzeichnungen. Doch das Hochwasser begann in Dresden nicht an der Elbe, sondern Tage vorher an kleinen Bächen und an der Weißeritz. Dieser Beitrag zeichnet den Ablauf nach den Unterlagen der Stadt Dresden nach.
Live · Pegel Dresden
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Vorhersage-Höchststand heute, 30.10., 14:00 Uhr: 61 cm
Stand 30.10.2026, 12:15 Uhr · Zum Live-Pegel
Zwei Fluten nacheinander
Die Ursache waren laut Umweltausstellung der Stadt zwei aufeinanderfolgende sogenannte Vb-Wetterlagen. Sie brachten ergiebige Niederschläge in Süd- und Westböhmen, im Erzgebirge und in dessen Vorland. An der Wetterstation Dresden-Klotzsche fielen in den 12 Tagen vor dem Höchststand laut Bericht der Stadt 189 mm Regen, davon über 158 mm – rund 80 Prozent – an einem einzigen Tag, dem 12. August.
Der Umweltatlas (Karte 4.13.1) beschreibt den Ablauf so:
- 11. und 12. August: massive Überschwemmungen an den städtischen Bächen, den Gewässern II. Ordnung.
- Nacht vom 12. zum 13. August: Die Erzgebirgsflüsse Lockwitz und Weißeritz treten über die Ufer. Die Weißeritz nimmt ihren historischen Verlauf wieder auf und überschwemmt die Friedrichstadt und wesentliche Teile der Altstadt.
- Folgetage: Die Elbe steigt und erreicht am 17. August um 09:00 Uhr mit 9,40 m am Pegel Dresden ihren historischen Höchststand.
Die Weißeritz in der Altstadt
Die Weißeritz verließ ihr Bett und floss in den Bereichen des alten Gewässerbettes ab. Die Friedrichstadt und angrenzende Teile der Wilsdruffer Vorstadt wurden laut Umweltatlas unter Wasser gesetzt. Über ein schmales Gebiet entlang der Bahnanlagen überflutete die Weißeritz den Hauptbahnhof und Teile des Stadtzentrums. Auch der Kaitzbach richtete großflächige Überschwemmungen an, im Bereich des Großen Gartens und in der Innenstadt.
Die Elbe auf 940 cm
Die Elbe-Welle kam aus Tschechien. Laut Umweltatlas (Karte 4.38) wurde dieses Hochwasser „allein von der Moldau und ihren Zuflüssen ausgelöst“: In Prag entsprach es einem HQ500, die Obere Elbe führte dagegen nur ein HQ1 bis HQ2. Nach den ungeprüften Rohdaten von PEGELONLINE lag der Pegel Dresden vom 16. August um 9:15 Uhr bis zum 18. August um 5:30 Uhr über 900 cm.
Wie viel Wasser genau floss, ist unterschiedlich angegeben. Die Umweltausstellung der Stadt nennt einen Abfluss von 4580 m³/s und schreibt, dass die Elbe insgesamt 25 km² des Stadtgebiets überflutete. Christian Korndörfer, ehemaliger Leiter des Umweltamts, nennt in einem von der Stadt veröffentlichten Text 4680 m³/s als Wert der Bundesanstalt für Gewässerkunde, „was statistisch einem etwa 150-jährlichen Wiederkehrintervall entspräche“.
Die Überschwemmungen durch die Elbe gliedert der Umweltatlas so:
- Dresdner Osten: großflächige Überschwemmungen im Bereich des linkselbischen Altelbarms.
- Bis zur Altstadt: gewässernahe Ausuferungen; nur an einer Stelle Rückstau über die Prießnitz bis in die Neustadt.
- Altstadt, Wilsdruffer Vorstadt, Friedrichstadt und Großes Ostragehege: wieder großflächige Überflutungen. Die unterstützende Wirkung der beiden Flutrinnen reichte in ihrem damaligen Ausbauzustand nicht aus, um die Wassermassen zügig abzuführen.
- Kaditz, Mickten, Trachau und Übigau: großflächige Überschwemmungen „infolge der ungenügenden Schutzwirkung der nördlichen Begrenzung der Kaditzer Flutrinne in Verbindung mit einem Dammbruch an der Washingtonstraße“.
- Cossebaude: Flächen, die als Polder angelegt und nur mit einem etwa 10-jährlichen Sommerdeich geschützt waren, wurden überschwemmt.




Warum der Pegel so hoch stieg
Christian Korndörfer beschreibt in seinem Text von 2021 einen überraschenden Befund: Die Durchflussmengen im August 2002 waren „nicht wesentlich höher“ als beim Hochwasser im September 1890, erzeugten aber deutlich höhere Wasserstände. Eine Ursache: Ablagerungen. Auf 350 Hektar im Stadtgebiet hatten sich laut Studien, die er zitiert, nach Elbehochwassern im Mittel 0,86 m Sediment abgelagert, zusammen rund 3 Millionen Kubikmeter – in den Vorländern und in den beiden Flutrinnen. Hinzu kam die Bebauung von Kaditz, Mickten und Übigau nach 1900, ohne dass eine 1904 geplante dritte Flutrinne gebaut wurde.
Geholfen hat 2002 ein Sonderfall: Die tschechische Talsperre Orlik kappte 2002 den Moldauscheitel laut Bericht der Stadt um 800 m³/s – aber nur, weil der zulässige Höchststand im Becken nach einer Betriebsstörung um 1,57 m überschritten wurde. Die Stadt nennt das „eine große Ausnahme“, mit der man nicht rechnen kann.
Was danach geändert wurde
Nach 2002 bauten Freistaat und Stadt laut Bericht der Stadt zum Hochwasser 2013 unter anderem:
- abflussverbessernde Maßnahmen: Rückbau der alten Eisenbahnbrücken in beiden Flutrinnen, eine neue, höhere Brücke der Sternstraße über die Flutrinne Kaditz, Verlagerung von Kleingärten aus dem Abflussbereich, Beseitigung von Ablagerungen am Königsufer,
- Schutzmauern für Altstadt und Friedrichstadt mit mobilen Elementen und zwei Hochwasserschutztoren am Ostra-Ufer und in der Weißeritzstraße,
- das Hochwasserpumpwerk Johannstadt und ein neues Grundwasser-Messsystem.
Dazu kommt die neue Hochwasserschutzlinie an der Kaditzer Flutrinne. Mehr im Beitrag Flutrinnen und Hochwasserschutz in Dresden. Wie sich diese Maßnahmen elf Jahre später bewährten, steht im Beitrag Hochwasser 2013 in Dresden.
Die Karte von 2002
Die Stadt hat die 2002 tatsächlich überschwemmten Flächen rekonstruiert. Für die Elbe wertete sie laut Umweltatlas Luftbilder und Laserscandaten aus Befliegungen der Bundeswehr zum Pegelhöchststand aus. Für Weißeritz und Bäche halfen Vor-Ort-Begehungen, Anwohnerbefragungen und Vermessungen von Hochwassermarken. Die Karte ist im Themenstadtplan der Stadt abrufbar („Hochwasserereignis August 2002“).
Den Rekordwert und die Plätze dahinter zeigt diese Tabelle:
| Platz | Datum | Pegel Dresden | Orte betroffen nach heutigen Schwellen |
|---|---|---|---|
| 1. | 17.08.2002 | 940 cm | 13 von 14 |
| 2. | 06.06.2013 | 878 cm | 13 von 14 |
| 3. | 31.03.1845 | 877 cm | 13 von 14 |
| 4. | März 1784 | 857 cm | 13 von 14 |
| 5. | September 1890 | 837 cm | 11 von 14 |
| 6. | Februar 1862 | 824 cm | 11 von 14 |
| 7. | 24.02.1799 | 824 cm | 11 von 14 |
| 8. | März 1830 | 796 cm | 11 von 14 |
| 9. | März 1940 | 788 cm | 11 von 14 |
| 10. | Februar 1876 | 776 cm | 11 von 14 |
Quelle: Landeshauptstadt Dresden: Umweltbericht 2013 – Bericht zum Junihochwasser (Ereignisanalyse), Tabelle 6.2.1; Landeshauptstadt Dresden: Umweltatlas, Karte 4.13.1 – Hochwasser 2002 (W = 9,40 m); Landeshauptstadt Dresden: Umweltausstellung – Hochwassergefahren 1845 bis 2002; Landeshauptstadt Dresden: Umweltatlas, Karte 4.18 – Elbe-Alarmstufen 1 bis 4. Zum Hochwasser-Archiv
Häufige Fragen
Wie hoch war die Elbe 2002 in Dresden?
940 cm am Pegel Dresden, erreicht am 17. August 2002 um 9 Uhr. Das ist bis heute der höchste gemessene Wasserstand an diesem Pegel.
Warum wurde 2002 die Altstadt überflutet?
Zuerst durch die Weißeritz: Sie trat in der Nacht vom 12. zum 13. August über die Ufer, nahm ihren historischen Verlauf wieder auf und überschwemmte Friedrichstadt und wesentliche Teile der Altstadt, auch den Hauptbahnhof. Einige Tage später kam die Elbe hinzu.
Warum stand Kaditz 2002 unter Wasser?
Laut Umweltatlas der Stadt wegen der ungenügenden Schutzwirkung der nördlichen Begrenzung der Kaditzer Flutrinne in Verbindung mit einem Dammbruch an der Washingtonstraße. Betroffen waren auch Mickten, Trachau und Übigau.
Wie viel Wasser floss 2002 durch Dresden?
Die Angaben unterscheiden sich: Die Umweltausstellung der Stadt nennt 4580 m³/s, ein von der Stadt veröffentlichter Text des früheren Umweltamtsleiters 4680 m³/s als Wert der Bundesanstalt für Gewässerkunde.
Quellen
- Landeshauptstadt Dresden – Umweltatlas, Karte 4.13.1: Hochwasser 2002 – tatsächlich überschwemmte Flächen (Juni 2005)
- Landeshauptstadt Dresden – Umweltausstellung: Historische Hochwasser der Elbe in Dresden, Überschwemmungsgebiete 1845 – 1890 – 2002 (Juli 2012)
- Landeshauptstadt Dresden – Umweltbericht 2013: Bericht zum Junihochwasser in Dresden (Stand 04.03.2014)
- Dr. Christian Korndörfer – Zur Bedeutung der Flutrinnen in Dresden für den Hochwasserschutz (Nachtrag, August 2021, veröffentlicht von der Stadt Dresden)
- Landeshauptstadt Dresden – Umweltatlas, Karte 4.38: Elbe – potentiell überschwemmte Flächen (Mai 2019)
- PEGELONLINE – Pegel Dresden (Stammdaten, Kennwerte, Messwerte und Vorhersage)
Die Darstellung dient der Information. Bei Hochwasser- und Gefahrenlagen gelten die Warnungen und Anweisungen der zuständigen Behörden.

