Hochwasser DresdenPegel Dresden · Messung und Vorhersage
Pegel Dresden67 cm→ gleichbleibendHöchstwert Vorhersageheute, 30.10., 14:00 Uhr61 cmAlarmstufe 1 (Richtwert)ab 400 cm – noch 333 cmStand 12:15 Uhr

Ratgeber · Geschichte

Hochwasser 2013 in Dresden: 8,78 m und die Lehren

Juni 2013: Alarmstufen, Katastrophenalarm, das Szenario 8,75 m, Sandsäcke an der Leipziger Straße und wo die Elbe trotz Schutz über die Ufer trat.

4 Min. LesezeitAktualisiert 30.10.20264 Quellen

Haltestelle Alter Schlachthof an der Leipziger StraßeBildnachweis: Foto: User:Derbrauni · CC BY-SA 3.0 · Wikimedia Commons
Haltestelle Alter Schlachthof an der Leipziger Straße

Elf Jahre nach dem Rekordhochwasser stand Dresden im Juni 2013 wieder vor einer Elbe-Flut. Am 6. Juni erreichte der Pegel Dresden 878 cm – nur 1 cm mehr als 1845 und 62 cm unter dem Wert von 2002. Die Stadt hat das Ereignis in einem ausführlichen Bericht ausgewertet. Dieser Beitrag fasst ihn zusammen.

Live · Pegel Dresden

67 cm

→ gleichbleibend (±0 cm in 30 Min.)

Vorhersage-Höchststand heute, 30.10., 14:00 Uhr: 61 cm

Stand 30.10.2026, 12:15 Uhr · Zum Live-Pegel

Regen auf nasse Böden

Ab dem 31. Mai 2013 entwickelte sich in Mitteleuropa ein großräumiges Hochwasser. Ausschlaggebend war laut Bericht der Stadt die Kombination aus tagelangem Regen und extrem nassen Böden: Ende Mai wiesen laut Deutschem Wetterdienst rund 40 Prozent der Fläche Deutschlands Bodenfeuchten auf, die gegenüber dem Mittel der Jahre 1962 bis 2012 neue Extremwerte darstellten. In Dresden fiel im Mai 124,8 mm Regen, 192 Prozent des Mittels. In den 12 Tagen vor dem Scheitel summierten sich an der Station Dresden-Klotzsche 183 mm – fast so viel wie 2002 mit 189 mm. Anders als 2002 fiel der Regen aber gleichmäßig verteilt.

Entscheidend war wieder die Moldau. Am Prager Pegel Chuchle lag der Scheitelabfluss am 4. Juni bei etwa 3210 m³/s, laut Bericht ein HQ20 bis HQ50. Die Moldaukaskade hatte vorab zusätzlichen Rückhalteraum geschaffen, konnte den Scheitel aber nur begrenzt kappen.

Die Alarmstufen in Dresden

Der Bericht der Stadt nennt für die Elbe diese Zeitpunkte:

  • 31.05.2013, 20:00 Uhr: 4,00 m – Meldedienst
  • 01.06.2013, 24:00 Uhr: 5,00 m – Kontrolldienst
  • 02.06.2013, 21:30 Uhr: 6,00 m – Wachdienst
  • 03.06.2013, 20:30 Uhr: 7,00 m – Hochwasserabwehr

Der Katastrophenalarm wurde am 3. Juni 2013 um 11 Uhr ausgerufen, bei steigendem Wasserstand von 6,63 m. Er endete am 10. Juni um 18 Uhr. Laut Bericht rief das Umweltamt die Alarmstufen 2, 3 und 4 aufgrund eigener Einschätzung etwa einen Tag früher aus, als es nach den offiziellen Werten erfolgt wäre. Warum eine Alarmstufe erst mit der Ausrufung gilt, erklärt der Beitrag Alarmstufen der Elbe in Dresden.

Das Szenario 8,75 m

Die wichtigste Entscheidung war die Frage, auf welchen Scheitel sich die Stadt vorbereitet. Am 4. Juni erkannte das Umweltamt, dass die seit 2006 gültige Beziehung zwischen Wasserstand und Durchfluss am Pegel Dresden die Wirklichkeit nicht mehr korrekt abbildete. Es änderte seine Methode und empfahl dem Katastrophenschutzstab, Abwehr und Evakuierung auf einen Scheitel von 8,75 m auszurichten.

Öffentlich kursierten auch Hinweise, Dresden müsse mit 9,40 m oder mehr rechnen. Das ließ sich laut Bericht weder durch die Vorhersagen des Landeshochwasserzentrums noch durch die Rechnungen des Umweltamts bestätigen. Der Stab blieb bei 8,75 m. Ein Szenario mit 9,40 m hätte „die Aufgabe großer Stadtgebiete und Infrastruktureinrichtungen und die großflächige Evakuierung von Bürgerinnen und Bürgern und Krankenhäusern bedeutet“.

Der Scheitel kam am 6. Juni 2013: zunächst mit 8,76 m gemeldet, später vom Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt auf 8,78 m korrigiert.

Wo die Elbe über die Ufer trat

Die Bilanz fiel in der Stadt sehr unterschiedlich aus. Laut Bericht kam es dank der nach 2002 gebauten Schutzanlagen und vorbereiteten Abwehrmaßnahmen in der Innenstadt, der Friedrichstadt, in Pieschen (mit Ausnahme der Flächen zwischen Elbe und Leipziger Straße) und in Kaditz diesmal zu keinen Überschwemmungen. Das Stadtzentrum wurde vollständig geschützt.

„Erneut schwer betroffen“ waren dagegen der Dresdner Osten mit Pillnitz, Hosterwitz, Zschieren, Laubegast und Loschwitz sowie der Westen mit Gohlis, Stetzsch und Cossebaude. Als Katastrophengebiet wurden die Ortsteile Zschieren, Kleinzschachwitz, Laubegast, Cossebaude, Gohlis und Stetzsch abgegrenzt – etwa 6 Prozent der Stadtfläche mit rund 51 600 Einwohnern.

Laubegast wird laut Bericht ab etwa 7,50 m am Pegel Dresden zur Insel. Der Sandsackverbau im Zentrum des Stadtteils entlang der Österreicher und der Donathstraße scheiterte, die Villacher Siedlung konnte dagegen weitgehend geschützt werden. In Cossebaude war der Sommerdeich nur für ein HQ10 ausgelegt; an einer Baustelle am Grünen Weg brach ein Deich.

Sandsäcke an der Leipziger Straße

Besonders in Erinnerung blieb die Leipziger Straße. Die Planungen sahen dort drei Verbaue von bis zu 0,8 m Höhe auf zusammen etwa 900 m vor. Gebaut wurde laut Bericht eine geschlossene Linie von 1,50 m Höhe auf 1,8 km Länge – organisiert über soziale Medien, mit geschätzt bis zu 1000 Helfern an einem Tag und rund 450 000 Sandsäcken. Die rechtselbischen Flächen südlich der Leipziger Straße, also zwischen Straße und Elbe, wurden von der Marienbrücke bis zum Pieschener Winkel laut Bericht komplett überschwemmt; die Wasserstände lagen dort deutlich höher als erwartet.

Die Stadt würdigt das Engagement – und mahnt zugleich: Manche selbst organisierte Verbaue waren „fachlich nicht sinnvoll“ oder hätten Maßnahmen bei noch höheren Wasserständen behindert. Am Kaditzer Deich mussten Sandsäcke wieder abgenommen werden.

Zahlen zum Hochwasser 2013

  • Evakuierungsempfehlungen: für etwa 13 300 Menschen. In den Notunterkünften waren höchstens 86 Personen.
  • Todesopfer: in Dresden keine (bundesweit 8).
  • Sandsäcke: rund 1,6 Millionen, davon etwa 600 000 durch die Einsatzkräfte.
  • Einsatzkräfte: höchstens 695 gleichzeitig, am 7. Juni.
  • Schäden an städtischer Infrastruktur: fast 430 Schadensfälle mit geschätzt über 120 Millionen Euro.
  • Abfluss: Eine Messung der TU Dresden im Scheitel ergab etwa 3800 m³/s (3700 bis 3900). Ein früher BfG-Wert von 4350 m³/s galt der Stadt als zu hoch.

Statistisch ordnet die Stadt das Ereignis als HQ50 ein. Die Flutschäden betrugen laut dem früheren Umweltamtsleiter Christian Korndörfer nur etwa ein Zehntel des Schadens von 2002.

Die Lehren

Der Bericht zieht drei Schlüsse für die Elbe: Die Beziehung zwischen Wasserstand und Abfluss am Pegel Dresden musste überprüft werden. Die Frage, wie häufig solche Hochwasser sind, stellte sich neu. Und die damaligen Modelle der Überschwemmungsflächen bildeten die Wirklichkeit nur zwischen Marienbrücke und Waldschlößchenbrücke richtig ab. Wie die heutigen Karten damit umgehen, steht im Beitrag Überschwemmungskarten der Stadt Dresden.

PlatzDatumPegel DresdenOrte betroffen nach heutigen Schwellen
1.17.08.2002940 cm13 von 14
2.06.06.2013878 cm13 von 14
3.31.03.1845877 cm13 von 14
4.März 1784857 cm13 von 14
5.September 1890837 cm11 von 14
6.Februar 1862824 cm11 von 14
7.24.02.1799824 cm11 von 14
8.März 1830796 cm11 von 14
9.März 1940788 cm11 von 14
10.Februar 1876776 cm11 von 14

Quelle: Landeshauptstadt Dresden: Umweltbericht 2013 – Bericht zum Junihochwasser (Ereignisanalyse), Tabelle 6.2.1; Landeshauptstadt Dresden: Umweltatlas, Karte 4.13.1 – Hochwasser 2002 (W = 9,40 m); Landeshauptstadt Dresden: Umweltausstellung – Hochwassergefahren 1845 bis 2002; Landeshauptstadt Dresden: Umweltatlas, Karte 4.18 – Elbe-Alarmstufen 1 bis 4. Zum Hochwasser-Archiv

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Häufige Fragen

Wie hoch war die Elbe 2013 in Dresden?

Am 6. Juni 2013 erreichte der Pegel Dresden 8,76 m; das Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt korrigierte den Wert später auf 8,78 m. Es ist der zweithöchste Stand nach 2002 (9,40 m).

Wann war Katastrophenalarm in Dresden 2013?

Vom 3. Juni 2013, 11 Uhr (Pegel 6,63 m), bis zum 10. Juni 2013, 18 Uhr.

Welche Stadtteile waren 2013 betroffen?

Laut Bericht der Stadt vor allem der Osten mit Pillnitz, Hosterwitz, Zschieren, Laubegast und Loschwitz sowie der Westen mit Gohlis, Stetzsch und Cossebaude. Innenstadt, Friedrichstadt und Kaditz blieben dank der Schutzanlagen trocken.

Was war das Szenario 8,75 m?

Die Stadt richtete Abwehr und Evakuierung auf einen erwarteten Scheitel von 8,75 m aus, nicht auf die öffentlich genannten 9,40 m. Der tatsächliche Scheitel lag bei 8,78 m.

Quellen

Die Darstellung dient der Information. Bei Hochwasser- und Gefahrenlagen gelten die Warnungen und Anweisungen der zuständigen Behörden.

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