Wenn in Dresden vom Elbpegel die Rede ist, geht es fast immer um eine einzige Messstelle: den Pegel Dresden an der Augustusbrücke. Nach ihm richten sich die Alarmstufen, die Karten der Stadt zu überschwemmten Flächen und die Vorhersage für die nächsten Tage. Dieser Beitrag erklärt, was der Pegel misst, welche Werte normal sind und wie du die Vorhersage richtig einordnest.
Live · Pegel Dresden
67 cm
→ gleichbleibend (±0 cm in 30 Min.)
Vorhersage-Höchststand heute, 30.10., 14:00 Uhr: 61 cm
Stand 30.10.2026, 12:30 Uhr · Zum Live-Pegel
Wo steht der Pegel Dresden?
Der Pegel steht in der Altstadt am ersten linkselbischen Pfeiler der Augustusbrücke, bei Elbe-Kilometer 55,6. So beschreibt ihn der Umweltatlas der Stadt Dresden. Gemessen wird laut Stadt „kontinuierlich und automatisch durch die Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes“. Die Messwerte veröffentlicht der Bund über PEGELONLINE, dort unter der Pegelnummer 501060, alle 15 Minuten ein neuer Wert. Neben dem Wasserstand führt PEGELONLINE für Dresden auch den Abfluss als Rohdaten – am 29.10.2026 um 17 Uhr waren es 103 m³/s.
Die Elbe fließt laut Stadt auf etwa 30 Kilometern durch Dresden. Für diese ganze Strecke gilt der eine Pegel an der Augustusbrücke als Bezug. Damit die Stadt bei großem Hochwasser trotzdem weiß, wie hoch das Wasser in Pillnitz oder Kaditz steht, hat das Amt für Geodaten und Kataster gemeinsam mit dem Umweltamt seit 2018 etwa 125 zusätzliche Messstellen eingerichtet. Sie lassen sich in der Regel bei Wasserständen von 700 bis 900 cm am Pegel Dresden ablesen und dienen der Organisation der Hochwasserabwehr. Eine davon steht am Kleinzschachwitzer Ufer.
Warum das wichtig ist, zeigt der Bericht der Stadt zum Hochwasser 2013: Ab etwa 8 m am Pegel Dresden wurde deutlich, dass die modellierten Wasserstände unterhalb der Marienbrücke nicht mehr zur tatsächlichen Entwicklung passten. Weitere Pegel im Stadtgebiet wären damals „sehr hilfreich gewesen“, heißt es dort.


Kleinzschachwitz
Kleinzschachwitzer Ufer
689 cm unter der Schwelle
Was bedeutet eine Zahl wie 400 cm?
Der Pegel misst nicht die Wassertiefe. Er misst, wie hoch die Wasseroberfläche über einem festen Bezugspunkt steht, dem Pegelnullpunkt. Für Dresden liegt er laut PEGELONLINE bei 102,70 m über Normalhöhennull (NHN), gültig seit dem 1. November 2019. Ein Stand von 400 cm bedeutet also: Die Elbe steht 4,00 m über diesem Punkt, auf 106,70 m NHN.
Welche Werte sind normal?
PEGELONLINE veröffentlicht für den Pegel Dresden diese Kennwerte:
- MW 156 cm – das Mittel aller Tageswerte der Jahre 2010 bis 2020, also die „normale“ Elbe.
- MNW 67 cm – das Mittel der jährlichen Niedrigwasserstände im selben Zeitraum.
- MHW 458 cm – das Mittel der jährlichen Hochwasserstände im selben Zeitraum.
- HSW 500 cm – der höchste Schifffahrtswasserstand, gültig seit dem 05.11.2002.
- HHW 940 cm – der höchste Hochwasserstand, gemessen am 17.08.2002.
- NNW 21 cm – der niedrigste Niedrigwasserstand, gemessen am 12.08.1947 und am 15.08.1952.
Das MHW von 458 cm liegt über dem Richtwert der Alarmstufe 1 (400 cm). Das heißt aber nicht, dass die Elbe jedes Jahr so hoch steigt: Ein Mittelwert wird von großen Hochwassern nach oben gezogen. Nach den ungeprüften Rohdaten von PEGELONLINE blieb der Jahreshöchststand zum Beispiel 2014, 2016, 2017, 2018, 2019 und 2020 unter 400 cm. Was bei welchem Wert passiert, steht im Beitrag Alarmstufen der Elbe in Dresden, wie tief die Elbe fallen kann, im Beitrag Niedrigwasser der Elbe in Dresden.
Woher kommt die Vorhersage?
Die Wasserstandsvorhersage für den Pegel Dresden steht ebenfalls in PEGELONLINE. Als Quelle nennt PEGELONLINE das Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Elbe (WSA Elbe). Am 29.10.2026 zum Beispiel wurde die Vorhersage um 6:00 Uhr berechnet. Sie enthielt einen Wert alle zwei Stunden und reichte bis zum 31.10.2026, 6:00 Uhr – also 48 Stunden. Diese Vorhersage zeigt auch diese Website.
Bei Hochwasser kommt eine zweite, amtliche Stelle hinzu: das Landeshochwasserzentrum Sachsen (LHWZ) im Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie. Es leitet laut Umweltatlas den Hochwassernachrichten- und Alarmdienst in Sachsen und verteilt Hochwasserstandsmeldungen, Hochwassereilbenachrichtigungen und Hochwasserwarnungen. Beim Hochwasser 2013 berechnete das LHWZ seine Vorhersagen für Dresden laut Bericht der Stadt mit dem Vorhersagesystem WAVOS Elbe der Bundesanstalt für Gewässerkunde und einem eigenen Elbe-Modell. Seine Hochwasserwarnungen enthielten 2013 jeweils eine Von-bis-Spanne.
Vorhersage und Abschätzung: Was ist der Unterschied?
PEGELONLINE teilt die Werte in zwei Arten auf. Am 29.10.2026 waren die ersten 24 Stunden als Vorhersage gekennzeichnet, die zweiten 24 Stunden als Abschätzung. Für die Unterscheidung verweist PEGELONLINE auf die Bundesanstalt für Gewässerkunde (BfG). Die BfG erklärt, dass die Unsicherheit kurzfristiger Vorhersagen an Rhein, Donau und Elbe bisher über genau diese Trennung mitgeteilt wird: Je weiter ein Wert in der Zukunft liegt, desto unsicherer ist er. Feste Genauigkeitsangaben in Zentimetern nennt die BfG nur für den Rhein, nicht für die Elbe.
Wie wichtig eine gute Prognose ist, beschreibt der Bericht der Stadt zum Juni 2013: Am 4. Juni um 2 Uhr berechnete das LHWZ für den 6. Juni 875 bis 880 cm, am 5. Juni um 4 Uhr 855 bis 875 cm. Erreicht wurden 878 cm. Mehr dazu im Beitrag Hochwasser 2013 in Dresden.
Warum der Blick nach Tschechien hilft
Der Wasserstand in Dresden hängt laut Stadt Dresden vom Zufluss aus Tschechien ab. Für die Beurteilung der Lage nennt der Umweltatlas den Pegel Schöna an der Landesgrenze und die Pegel im tschechischen Einzugsgebiet der Elbe; die Stadt verweist dafür auf die Wasserwirtschaftsbetriebe Povodí Labe, Povodí Vltavy und Povodí Ohře. Was dort heute steigt, kommt mit Verzögerung in Dresden an.
Den Pegel per Telefon abfragen
Wer kein Internet zur Hand hat, kann den Pegel laut Bürgerinformation der Stadt (Stand Januar 2026) telefonisch abfragen:
- Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung, Pegel Dresden: (0351) 19429
- Pegelmesswertansage des LHWZ: (0351) 79 99 44 00, dann „0“ und die Ziffern 501060 für Dresden
- Hochwasserwarnungen des LHWZ: (0351) 79 99 41 00
Den Verlauf der letzten Tage zeigt das Archiv, den aktuellen Wert die Pegelseite.
- Letzter Tageshöchststand
- 29.10.202672 cm (103,42 m NHN)
- Zuletzt über Alarmstufe 1 (Richtwert)
- 22.09.2024Alarmstufe 1 (Richtwert), 450 cm (107,20 m NHN)
- Zuletzt Orte betroffen
- 22.09.20242 von 14 Orten (Flutrinne Kaditz, Neustädter Elbwiesen am Königsufer), 450 cm (107,20 m NHN)
- Höchster Wasserstand seit 01.01.2000
- 940 cm (112,10 m NHN)Sa., 17.08.2002, 06:45 Uhr
- Niedrigster Wasserstand seit 01.01.2000
- 42 cm (103,12 m NHN)Do., 23.08.2018, 19:00 Uhr
Aus unserer Chronik seit 01.01.2000. Zum Hochwasser-Archiv
Häufige Fragen
Wo misst der Pegel Dresden?
Am ersten linkselbischen Pfeiler der Augustusbrücke in der Altstadt, bei Elbe-Kilometer 55,6. Betrieben wird er von der Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes, die Werte stehen auf PEGELONLINE.
Was ist ein normaler Wasserstand der Elbe in Dresden?
Laut PEGELONLINE liegt das Mittel aller Tageswerte (MW, 2010 bis 2020) bei 156 cm. Das Mittel der jährlichen Hochwasserstände liegt bei 458 cm, das der Niedrigwasserstände bei 67 cm.
Wo liegt der Pegelnullpunkt in Dresden?
Bei 102,70 m über NHN, gültig seit dem 1. November 2019. 400 cm am Pegel entsprechen also 106,70 m NHN.
Wer macht die Vorhersage für den Pegel Dresden?
Die Vorhersage in PEGELONLINE stammt laut Quellenangabe vom Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Elbe (WSA Elbe). Bei Hochwasser veröffentlicht zusätzlich das Landeshochwasserzentrum Sachsen Warnungen mit eigener Vorhersage.
Kann ich den Elbpegel Dresden telefonisch abfragen?
Ja. Laut Bürgerinformation der Stadt unter (0351) 19429 (Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung) oder über die Pegelmesswertansage des LHWZ unter (0351) 79 99 44 00 mit der Kennziffer 501060.
Quellen
- PEGELONLINE – Pegel Dresden (Stammdaten, Kennwerte, Messwerte und Vorhersage)
- Landeshauptstadt Dresden – Umweltatlas, Karte 4.18: Elbe-Alarmstufen 1 bis 4 (Mai 2019)
- Landeshauptstadt Dresden – Pegelstände und Alarmstufen
- BfG – Vorhersagegenauigkeit (Vorhersage und Abschätzung)
- Landeshauptstadt Dresden – Umweltbericht 2013: Bericht zum Junihochwasser in Dresden (Stand 04.03.2014)
- Landeshauptstadt Dresden – Starkregen und Hochwasser, Bürgerinformation (21. Auflage, Januar 2026)
Die Darstellung dient der Information. Bei Hochwasser- und Gefahrenlagen gelten die Warnungen und Anweisungen der zuständigen Behörden.
